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Der Wiederaufbau

Es dauerte nicht lange, da regte sich das Leben unserer Kolpingsfamilie neu. Männer kamen aus der Kriegsgefangenschaft, der Ort begann, sich zu organisieren. Und schon ein Jahr nach Kriegsende wurde die erste Versammlung einberufen, an der 37 Mitglieder teilnahmen.  Getroffen hatte man sich im Bongartzstift, wo auch die Idee keimte, das Gesellenhaus wieder aufzubauen. Präses Kaplan Rüttens unermüdlichem Einsatz war es zu verdanken, dass  Material beschafft werden konnte. Als erstes wurde die Kegelbahn wiederhergestellt. Am 15. Mai 1949 wurde erstmals wieder das Josefsfest gefeiert. 

Damit hatte die Kolpingsfamilie auch wieder einen Versammlungsraum, in dem sich vieles tat. Auch der Betrieb in der Gaststätte konnte nach einigen Jahren wieder aufgenommen werden. Obwohl viele Kolpingbrüder ganz sicher viel damit zu tun hatten, ihr eigenes Leben und ihre Familien in geordnete Bahnen zu bringen, war das ehrenamtliche Engagement dennoch riesig. Schließlich wurde auch der Saal wieder hergestellt werden, das Richtfest war am 24. Mai 1954. Dechant Werth freute sich: „Das Haus steht. Es soll der Bildung der Jugend dienen, die immer so viel wert ist, wie ihre Ideale werte sind. Möge unter dem Segen Gotten hier frohe Arbeit geleistet werden zum Segen der Gemeinde und zum Besten unseres ganzen Volkes.“

In den Folgejahren „brummte“ es bei Kolping. Das Programm mit Vortragsabenden, religiöser und allgemeiner Bildung war groß. Bis in die 60er Jahre. Erstmals begann der Besuch dieser Abende zu bröckeln. Kolping stemmte sich dagegen. „Wir verzagen darum nicht und wären schlecht Söhne Adolf Kolpings“, vermerkte der Chronist 1965.

 

Das Fest zum 100-Jährigen

Dass man bei Kolping zu feiern versteht, ist keine Erfindung der Neuzeit. Aber zum 100-jährigen Jubläum der Familie sollte es dann doch schon etwas Besonderes sein. Von einem Donnerstag angefangen wurde bis Montagabend das runde Bestehen zelebriert. Das begann mit einer  Gemeinschaftsmesse, in der Rektor Theelen aus Eschweiler die Ansprache hielt. Der offizielle Festakt war dann am Samstagabend des 11. September 1965. Begleitet vom Kopingsorchester Süchteln und dem MGV Hoffnung aus Lobberich, dem ein Frauenchor angeschlossen war, sowie des Jagdchores gab’s Festreden und Laudatios. Die Begrüßung nahm übrigens seinerzeit Altsenior Hermann-Josef Müller vor, nach wie vor sehr aktives Mitglied unserer Familie. Bezirkspräses Hans van de Weyer aus Krefeld hielt die Festansprache, während sich am nde Präses Kaplan Wilhelm Jacobs bei den Anwesenden bedankte. Am Am Sonntag ging’s weiter mit dem Festball der Kolpingsfamilie, bevor am Montag die Familienfeier das Programm abrundete.

Das war beileibe nicht alles. Eingerahmt wurde die Festfolge von der Diözesanversammlung, die am Fest-Samstag abgehalten wurde. Nachdem die Diözesanführung ihren Bericht gegeben hatte, beschäftigten sich Arbeitsgruppen mit aktuellen Themen, etwa dem Übergang von Jungkolping in die Gruppe Kolping. Selbstverständlich waren die Themen Ehe und Familie auch damals auf der Agenda.

Am darauffolgenden Sonntag wurde der Diözesantag begangen. Neben einer gemeinsamen Eucharistiefeier standen auch gesellige Veranstaltungen an, etwa eine Wanderung um Lobberich oder eine Fahrt nach Xanten, Kalkar und Kevelaer. Zeitzeugen berichten heute noch, dass sie nach der vielen Arbeit der Vorbereitung und  dem Fest selbst durchaus urlaubsreif waren.

Die Jahre des Wirtschaftswunders

Die Arbeit des Lobbericher Kolpingsfamilie lief in den 60ern und auch Anfang der 70er Jahre zunächst (fast) unverändert weiter. Da waren die Glaubensgespräche, viele Kurse zu den meisten handwerklichen Berufen. Aber auch Deutsch und Mathematik waren im Angebot, was viele gerne annahmen. So ließen sich mögliche Defizite aus der Schule oder der Ausbildung vermeiden beziehungsweise aufarbeiten. Nach und nach stießen die Berufs- und Volkshochschulen in diese Lücke, übernahmen die Erwachsenenbildung fast vollständig. Dennoch: Die Glaubensgespräche einmal im Monat liefen bis in die 70er Jahr. Natürlich, sonntags ging‘s immer noch in die Messe, und – wenn man’s einrichten konnte – danach in die Gaststätte auf ein paar Bier, einen Stammtisch oder eine Runde Skat. 

Der zunehmende Einfluss der Medien, besonders des Fernsehens, setzte allen Vereinen zu, auch Kolping. Dennoch versuchte die Familie immer, dem etwas entgegenzusetzen. So wurde beispielsweise die Satzung geändert, was dazu führte, dass nun auch Frauen, Mädchen sowie Jugendliche und Kinder in die Kolpingsfamilie aufgenommen werden konnten. Besonderen Wert legt man seinerzeit bereits auf die internationalen Aufgaben. Die Krisen in der Welt forderten das Engagement zusätzlich heraus. Das Kolpingwerk breitete sich international aus. Das reichte von Brasilien und Argentinien bis Tansania, Sri Lanka und den Philippinen. Und als der Eiserne Vorhang fiel, kamen die Länder des früheren Ostblocks hinzu.

Und dennoch kommen die lokalen Aktivitäten nicht zu kurz. Ferkesmarkt in Lobberich? Betstunde am Gründonnerstag? Pfarrfest? Natürlich sind wir vertreten. Und natürlich sind Kolpingschwestern und -brüder Mitglieder in den Gremien. Auch das Jahresprogramm, zum Beispiel die Fahrten zum Grab unseres Namensgebers, gehören fest zum Gemeinde- und Vereinsleben. Hier, wie vor zehn Jahren zum 140-jährigen Bestehen, sei an ein Wort von Adolph Kolping erinnert: „Nur das bleib unumstößlich wahr. Je mehr Christentum, umso weniger Elend. Denn das Elend ist nur da, weil die Menschen nicht bessere Christen sind.“