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Boomjahre und die Katastrophe des Ersten Weltkriegs

Keine Frage, bis hierhin war der Bau des Gesellenhauses und die Entwicklung des gesamten Vereins eine einzige Erfolgsgeschichte. Die sich in den Folgejahren   fortsetzte. Um Jahrhundertwende wurde mit dem Bau der Kegelbahn begonnen. Neben der Gesangsabteilung des Vereins wurde eine Musikkapelle ins Leben gerufen. Unterdessen wurde das Vorderhaus an der Straße gebaut, weil die vielen Abteilungen Platz brauchten. Der drastische Einschnitt folgte mit dem Ausbruch des Krieges, der in seinen Dimensionen alles Bisherige übertreffen sollte.

 Die Menschenverachtung, mit der die deutsche Heeresleitung und der Kaiser die jungen Männer in sinnlose Schlachten schickten macht sich auch an den Dimensionen fest, die den Lobbericher Verein betrafen. 231 Mitglieder wurden zum Kriegsdienst einberufen, 47 ließen auf den Schlachtfeldern ihr Leben, vier blieben vermisst, 20 gerieten in Gefangenschaft. Natürlich, in der Heimat versuchte man, auch in dieser schweren Zeit das Vereinsleben aufrecht zu erhalten, was teilweise gelang. Aber die Männer, die an der Front standen, fehlten einfach. Das Fest zum 50. Bestehen fiel aus, es wurde nach dem Krieg gefeiert.

Das Leben kehrt zurück – mit Veränderungen

Als der Krieg zu Ende war und das Jubelfest nachgefeiert wurde, zählte der Gesellenverein bereits wieder 103 Mitglieder und 222 Ehrenmitglieder. Und er wuchs in den folgenden Jahren wieder rasch. Die Arbeit und das Engagement wurden erneut aufgenommen, zum 60. Geburtstag präsentierte sich der Verein durch und durch gesund. Aber es gab auch Probleme. So war die Berufsausbildung im Zuge der Reform des gesamten Schulwesens geändert wurde. Die Berufsschule war für angehende Gesellen obligatorisch geworden. Die Fortbildungsschule des katholischen Gesellenvereins – noch durch königliche Anordnung eingesetzt – wurde aufgelöst. Was für die früheren Gesellen schlicht hieß: Sie hatten sich von ihrem Werk zu trennen. Das wiederum wollten viele nicht. Im Herbst 1928 wurde die Gruppe Alt-Kolping gegründet und damit der Grundstein für das gelegt, was wir heute Kolpingsfamilie nennen. Die Gruppe organisierte Vorträge, die die Allgemeinbildung stärken sollten, Familienfeste wurden auf die Beine gestellt, Wanderungen unternommen. Die Grundlage für ein reges Leben in dem Verband hätte nicht besser sein können. Die Zukunft schien über Jahrzehnte gesichert. Es kam anders.

Die nächste Katastrophe: Die braune Horde kommt an die Macht

Hitler hatte die Macht ergriffen – der deutsche Faschismus machte sich daran, alles, was bürgerliche und kirchliche Werte ausgemacht hatte, zu eliminieren. Die katholischen Vereine durften nicht mehr tagen, bei Beerdigungen hatte das Tragen der Fahne zu unterbleiben, die Gaststätte des Gesellenhauses wurde geschlossen. Mit Ausbruch des Krieges wurden Mitglieder der Kolpingsfamilie eingezogen, um im nächsten Krieg sinnlos geopfert zu werden. Und doch: Einige Mitglieder der Familie sorgten dafür, dass Päckchen aus der Heimat an ihre Angehörigen an der Front geschickt wurden. Anders als noch im Ersten Weltkrieg kam der Krieg bis an den Niederrhein.  Im März, kurz bevor die amerikanischen Truppen einmarschierten, wurde Lobberich heftig von Artillerie beschossen. Viele Gebäude wurden in Mitleidenschaft gezogen oder zerstört. So auch das Gesellenhaus. Zunächst wurden Vorderhaus und Hausmeisterwohnung zerstört, am gleichen Tag stand der Saalbau in Flammen, das gesamte Anwesen war am Abend dem Erdboden gleichgemacht. Hitlers tausendjähriges Reich war zu nach zwölf Jahren zu Ende und hatte Millionen Menschenleben mit in den Abgrund gerissen. Die Lage war verzweifelt. Und dennoch keimte Hoffnung, die Kolpingsfamilie schuf sich ihre Lebensperspektive neu.